Von gemütlichen Kaffeepausen, besonderen Aromen und der schönsten Zeit für Kaffeegenießer.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich hat der Herbst seinen ganz eigenen Reiz.
Morgens ist es wieder frisch, die ersten Blätter fallen von den Bäumen und abends wird es deutlich früher dunkel. Spätestens jetzt freue ich mich besonders auf eine gute, heiße Tasse Kaffee.
Natürlich schmeckt unser Kaffee im Oktober nicht plötzlich anders als im Juli. Schließlich rösten wir ihn das ganze Jahr über mit derselben Sorgfalt und Leidenschaft.
Aber wie wir Kaffee genießen, verändert sich mit den Jahreszeiten.
Und genau das finde ich als Chefröster besonders spannend. Denn Kaffee ist nicht nur eine Frage der richtigen Bohne oder Röstung. Es kommt auch darauf an, wann, wo und mit wem wir ihn trinken.
Warum wir Kaffee im Herbst anders genießen
Im Sommer darf Kaffee gerne unkompliziert und erfrischend sein. Ein schneller Espresso zwischendurch, ein Cold Brew mit Eiswürfeln oder ein Cappuccino auf der Terrasse.
Im Herbst sieht das oft anders aus.
Wenn es draußen regnet und der Wind um die Häuser zieht, wird die Kaffeepause wieder zu einem kleinen Wohlfühlmoment. Man nimmt die warme Tasse in die Hand, riecht den frisch gebrühten Kaffee und genießt vielleicht ein paar Minuten länger als sonst.
Das klingt nach einer Kleinigkeit. Aber genau diese kleinen Momente machen für mich einen großen Teil des Kaffeegenusses aus.
Kaffee ist eben mehr als ein Getränk, das uns morgens wach macht. Er ist für viele Menschen ein festes Ritual, eine kurze Auszeit oder einfach ein guter Grund, sich mit jemandem zusammenzusetzen.
Und wenn wir ehrlich sind: An einem verregneten Herbstnachmittag schmeckt ein Cappuccino auf dem Sofa doch irgendwie besonders gut, oder?
Warum Wärme und Duft unseren Kaffeegenuss beeinflussen
Was viele unterschätzen: Unser Geschmackserlebnis entsteht nicht allein auf der Zunge.
Ein großer Teil dessen, was wir beim Kaffee als Geschmack wahrnehmen, kommt über den Geruchssinn. Die vielen flüchtigen Aromastoffe im Kaffee gelangen beim Trinken auch von der Mundhöhle zur Nase und prägen so seinen Charakter.
Deshalb macht es einen Unterschied, ob wir einen Kaffee ganz bewusst genießen oder ihn nebenbei trinken, während wir auf unser Handy schauen.
Auch die Temperatur spielt eine Rolle.
Heißer Kaffee verbreitet seinen Duft besonders intensiv. Wenn er etwas abkühlt, können wir wiederum manche Geschmacksnuancen besser wahrnehmen. Zu heiß serviert, gehen feine Unterschiede oft unter.
Mein Tipp: Lasst euren Kaffee nach dem Brühen ruhig einen kleinen Moment stehen und probiert ihn bei unterschiedlichen Temperaturen. Ihr werdet überrascht sein, wie sich die Wahrnehmung verändert.
Gerade im Herbst nehmen wir uns für solche Genussmomente vielleicht etwas mehr Zeit.
Schokolade, Haselnuss und Karamell – die Aromen des Herbstes
Wenn ich an typische Herbstaromen denke, fallen mir sofort Schokolade, geröstete Nüsse, Karamell und ein Hauch von Honig ein.
Interessanterweise begegnen uns genau diese Geschmacksnoten auch bei vielen Kaffees.
Und nein, dafür müssen wir keine Schokolade oder Nüsse in die Kaffeebohnen mischen.
Kaffee enthält von Natur aus eine Vielzahl unterschiedlicher Aromavorstufen. Während des Röstens laufen komplexe chemische Reaktionen ab, bei denen neue Duft- und Geschmacksstoffe entstehen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte Maillard-Reaktion. Vereinfacht gesagt reagieren bestimmte Zucker und Aminoverbindungen unter Hitze miteinander. Dabei entstehen unter anderem jene röstigen, nussigen und schokoladigen Noten, die viele von uns an Kaffee so lieben.
Welche Aromen später in der Tasse landen, hängt von mehreren Faktoren ab: von der Herkunft der Bohnen, ihrer Aufbereitung, der Sorte und natürlich davon, wie wir sie rösten.
Als Röster ist es meine Aufgabe, das Potenzial jeder Bohne möglichst gut herauszuarbeiten.
Manche Kaffees entwickeln eher fruchtige, lebendige Noten. Andere erinnern stärker an Kakao, Nüsse oder Karamell.
Und gerade diese warmen, runden Geschmacksprofile passen für mich wunderbar in den Herbst.
Welcher Kaffee passt besonders gut zum Herbst?
Die Antwort ist natürlich Geschmackssache. Einen speziellen Herbstkaffee braucht es nicht unbedingt.
Wer es gerne weich, harmonisch und aromatisch mag, liegt mit einem Kaffee mit nussigen oder schokoladigen Noten oft richtig.
Ein schönes Beispiel aus unserer Rösterei ist unser Brazil Sul de Minas. Brasilianische Kaffees aus dieser Region sind häufig für ihren ausgewogenen Charakter und ihre angenehmen, süßlich-nussigen Geschmacksprofile bekannt.
Wer seinen Kaffee lieber kräftiger genießt, beispielsweise als Espresso oder Cappuccino, findet auch bei unseren Espresso-Blends passende Begleiter für die kühlere Jahreszeit.
Besonders gut gefallen mir im Herbst Kaffees, die auch mit Milch ihren Charakter behalten. Denn ein guter Cappuccino mit feinem Milchschaum ist an einem kühlen Nachmittag schon etwas Besonderes.
Wichtig ist dabei nicht, dass ein Kaffee möglichst dunkel oder kräftig geröstet ist. Entscheidend ist, dass die Röstung zur Bohne passt und ein harmonisches Geschmackserlebnis entsteht.
Deshalb rösten wir unsere Kaffees mit viel Aufmerksamkeit und geben ihnen die Zeit, die sie für ihre Entwicklung brauchen.
Mein persönlicher Herbstmoment in der Rösterei
Für mich hat der Herbst auch in unserer Rösterei in Fürstenzell eine besondere Atmosphäre.
Draußen wird es langsam kühler, während drinnen unsere Röstmaschine arbeitet und der Duft frisch gerösteter Bohnen durch die Räume zieht.
Diesen Duft kenne ich natürlich das ganze Jahr über. Und trotzdem freue ich mich jedes Mal darauf.
Wenn eine Röstung fertig ist, die Bohnen abkühlen und sich die ersten Aromen entfalten, erinnert mich das immer wieder daran, warum ich diesen Beruf so gerne mache.
Es steckt unglaublich viel Arbeit in einer guten Tasse Kaffee. Vom Anbau über die Ernte und Aufbereitung bis zur Auswahl der Rohkaffees und schließlich zum Rösten.
Und am Ende geht es doch um etwas ganz Einfaches: dass jemand seine Tasse Kaffee in die Hand nimmt, daran riecht, den ersten Schluck trinkt und sich darüber freut.
Genau dafür machen wir das.
Der Herbst ist eine Einladung, Kaffee bewusster zu genießen
Vielleicht schmeckt Kaffee im Herbst also gar nicht grundsätzlich besser.
Vielleicht nehmen wir uns einfach wieder mehr Zeit, ihn wirklich zu genießen.
Die Wärme der Tasse, der Duft frisch gemahlener Bohnen, die besonderen Aromen und ein paar ruhige Minuten zwischendurch – all das macht aus einer alltäglichen Tasse Kaffee einen kleinen Genussmoment.
Und dafür braucht es weder eine besonders teure Kaffeemaschine noch ein kompliziertes Ritual.
Ein guter, frisch gerösteter Kaffee und ein bisschen Zeit reichen oft schon aus.
Wenn ihr Lust habt, euren persönlichen Herbstkaffee zu entdecken, schaut gerne bei uns in der Bayerischen Hofrösterei in Fürstenzell vorbei oder stöbert durch unser Sortiment im Onlineshop.
Ich freue mich, wenn wir gemeinsam euren Lieblingskaffee finden.
Euer Marcel
Inhaber & Chefröster der Bayerischen Hofrösterei












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