Kaffee im Kühlschrank lagern? Warum ich als Kaffeeröster davon abrate
„Kaffee gehört in den Kühlschrank – dort bleibt er länger frisch.“
Diesen Tipp höre ich tatsächlich immer wieder. Und auf den ersten Blick klingt er sogar plausibel: Im Kühlschrank ist es kühl und dunkel. Beides müsste doch eigentlich gut für frisch geröstete Kaffeebohnen sein. Ganz so einfach ist es allerdings nicht.
Für euren täglich verwendeten Kaffee empfehle ich den Kühlschrank nicht. Denn für das Aroma sind neben der Temperatur vor allem vier Faktoren entscheidend: Sauerstoff, Feuchtigkeit, Licht und Wärme.
Und gerade bei der Feuchtigkeit hat der Kühlschrank einen entscheidenden Nachteil.
Als Röster möchte ich euch deshalb erklären, was nach der Röstung eigentlich mit einer Kaffeebohne passiert und wie ihr euren Kaffee zu Hause wirklich richtig lagert.
Warum verliert Kaffee überhaupt sein Aroma?
Mit der Röstung entstehen die vielen Aromastoffe, die aus einem zunächst unscheinbaren Rohkaffee einen komplexen Kaffee mit Noten beispielsweise von Schokolade, Nüssen, Karamell, Früchten oder Gewürzen machen. In geröstetem Kaffee wurden mehr als 1.000 flüchtige Verbindungen identifiziert. Allerdings tragen längst nicht alle davon entscheidend zum wahrgenommenen Kaffeearoma bei.
Nach der Röstung beginnt außerdem ein ganz natürlicher Prozess: Der Kaffee gibt nach und nach Kohlendioxid (CO₂) ab und verändert sein Aromaprofil. Das lässt sich nicht vollständig verhindern. Wir können diesen Prozess durch die richtige Lagerung aber deutlich beeinflussen.
Besonders problematisch für gerösteten Kaffee sind:
- Sauerstoff
- Feuchtigkeit
- Licht
- hohe Temperaturen
Deshalb kommt es weniger darauf an, den Kaffee einfach möglichst kalt zu lagern, sondern darauf, ihn möglichst gut vor diesen Einflüssen zu schützen.
Gerade bei aromatisch komplexen Kaffees wäre es schade, wenn ein Teil dieser Aromatik durch falsche Lagerung verloren geht. Ob ein schokoladig-nussiger Espresso, ein kräftiger Robusta Blend oder ein feiner Single Origin – die richtige Lagerung hilft dabei, den Charakter der jeweiligen Röstung möglichst lange zu erhalten.
Wenn ihr unterschiedliche Geschmacksprofile kennenlernen möchtet, findet ihr bei uns eine Auswahl an frisch gerösteten Kaffees aus unserer Rösterei.
Warum ich Kaffee trotzdem nicht im Kühlschrank aufbewahren würde
Jetzt könnte man natürlich sagen: „Wenn Wärme schlecht ist, müsste der Kühlschrank doch ideal sein.“
Tatsächlich können niedrigere Temperaturen chemische Alterungsprozesse verlangsamen. Untersuchungen zeigen, dass sich bestimmte flüchtige Aromaverbindungen bei niedrigerer Lagertemperatur langsamer verändern.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Kühlschrank der beste Aufbewahrungsort für euren täglichen Kaffee ist.
In der Praxis entstehen dort andere Probleme.
1. Kaffee kann Fremdgerüche aufnehmen
Geröstete Kaffeebohnen besitzen eine poröse Struktur. Gleichzeitig befinden sich in einem Kühlschrank die unterschiedlichsten Lebensmittel und Gerüche. Käse, Wurst, Fisch, Zwiebeln oder andere intensiv riechende Lebensmittel sind deshalb keine besonders guten Nachbarn für euren Kaffee. Ist die Verpackung nicht wirklich dicht verschlossen, kann das Aroma des Kaffees beeinträchtigt werden. Und Hand aufs Herz: Niemand möchte einen sorgfältig gerösteten Kaffee, der am Ende eine dezente Kühlschranknote mitbringt.
2. Feuchtigkeit ist ein größeres Problem als die Kälte
Einer der größten Feinde gerösteten Kaffees ist Feuchtigkeit. Besonders ungünstig wird es, wenn ihr eine kalte Kaffeepackung aus dem Kühlschrank nehmt, öffnet, Bohnen entnehmt und anschließend wieder zurückstellt. Durch den Temperaturunterschied zwischen Kühlschrank und Raumluft kann sich Kondensfeuchtigkeit bilden. Genau deshalb halte ich dieses ständige kalt – warm – kalt – warm bei einer bereits geöffneten Packung für keine gute Idee.
3. Der tägliche Temperaturwechsel ist unnötig
Wenn ihr jeden Morgen Kaffee zubereitet, müsste die Packung immer wieder aus dem Kühlschrank genommen werden. Damit verändert sich ständig die Umgebungstemperatur des Kaffees. Viel einfacher und für den täglichen Gebrauch sinnvoller ist eine Lagerung an einem trockenen, dunklen und möglichst temperaturstabilen Ort.
Wie sollte man Kaffeebohnen richtig lagern?
Meine Empfehlung für zu Hause ist erstaunlich unkompliziert: Lasst die Bohnen in einer geeigneten Kaffeeverpackung, verschließt diese nach jeder Entnahme wieder gut und lagert sie trocken, dunkel und bei möglichst konstanter Raumtemperatur. Ein geschlossener Küchenschrank oder eine Schublade eignet sich dafür normalerweise hervorragend.
Nicht ideal sind dagegen Plätze:
- direkt neben dem Herd
- auf der Fensterbank
- in direkter Sonneneinstrahlung
- über oder unmittelbar neben einer Heizung
- in feuchten Räumen
Kurz gesagt: Dunkel. Trocken. Luftgeschützt. Temperaturstabil.
Damit macht ihr bei der Lagerung schon sehr viel richtig. Die richtige Lagerung ist allerdings nur ein Baustein für guten Kaffee. Ebenso entscheidend sind Wasserqualität, Mahlgrad, Dosierung und Zubereitung. Gerade die Wasserqualität wird häufig unterschätzt. Dabei besteht eine Tasse Kaffee zum allergrößten Teil aus Wasser. Wer hier mehr herausholen möchte, sollte sich auch damit beschäftigen, welchen Einfluss Wasser auf den Geschmack von Kaffee hat.
Warum unsere Kaffeetüten ein Aromaventil haben
Vielleicht habt ihr euch schon einmal gefragt, warum sich an einer guten Kaffeeverpackung dieses kleine Ventil befindet. Das hat einen wichtigen Grund.
Frisch gerösteter Kaffee gibt nach der Röstung noch über längere Zeit Kohlendioxid ab. Würden wir ihn einfach in eine vollständig geschlossene Verpackung ohne Ventil füllen, könnte sich darin Druck aufbauen. Das sogenannte Einweg-Aromaventil ermöglicht es, dass Gase aus der Packung entweichen können, während möglichst wenig Umgebungsluft in die Verpackung gelangt. Zusammen mit einer lichtgeschützten Verpackung trägt das dazu bei, die empfindlichen Aromen unseres Kaffees zu schützen.
Genau deshalb verpacken wir unseren Kaffee nach dem Rösten so, dass die Bohnen möglichst gut vor Licht und Sauerstoff geschützt sind und gleichzeitig noch entgasen können.
Wer mehr darüber erfahren möchte, wie wir unsere Kaffees rösten und worauf wir dabei achten, bekommt in unserer Rösterei einen guten Einblick in unser Handwerk.
Deshalb mein Tipp: Ihr müsst euren Kaffee nach dem Öffnen nicht zwangsläufig in ein anderes Gefäß umfüllen. Wenn die Originalverpackung dafür ausgelegt ist, den Kaffee vor Licht und Luft zu schützen und sich wieder gut verschließen lässt, könnt ihr ihn darin aufbewahren.
Ganze Bohnen oder gemahlener Kaffee – was bleibt länger frisch?
Wenn ihr die Wahl habt: Kauft ganze Bohnen und mahlt euren Kaffee möglichst frisch. Der Grund ist die Oberfläche. Eine ganze Kaffeebohne besitzt im Verhältnis zu ihrem Volumen eine relativ kleine Oberfläche. Beim Mahlen zerlegen wir sie dagegen in unzählige kleine Partikel – und vergrößern damit die Oberfläche enorm. Dadurch können Aromastoffe wesentlich schneller entweichen und Sauerstoff kann den Kaffee stärker beeinflussen.
Deshalb mahle ich Kaffee am liebsten erst unmittelbar vor der Zubereitung. Das ist übrigens einer der einfachsten Schritte, mit denen ihr zu Hause mehr Aroma aus einem guten Kaffee herausholen könnt.
Wer noch tiefer einsteigen möchte, sollte sich auch mit dem richtigen Mahlgrad für die jeweilige Kaffeezubereitung beschäftigen. Denn ein Espresso benötigt einen anderen Mahlgrad als beispielsweise Filterkaffee, French Press oder Handfilter.
Wer verschiedene Röstungen ausprobieren möchte, findet bei uns eine Auswahl an frisch gerösteten Kaffeebohnen aus unserer Rösterei.
Sollte man Kaffee in eine Kaffeedose umfüllen?
Das kann sinnvoll sein – muss aber nicht.
Eine gute Kaffeedose sollte möglichst:
- luftdicht schließen,
- lichtundurchlässig sein,
- trocken sein und
- keine Fremdgerüche enthalten.
Wenn eure Kaffeeverpackung bereits hochwertig, lichtgeschützt und wiederverschließbar ist, könnt ihr euch das Umfüllen aber häufig sparen. Vor allem sollte man Kaffee nicht ständig zwischen verschiedenen Behältern hin- und herfüllen. Bei jedem Öffnen kommt er erneut mit Umgebungsluft in Kontakt.
Kann man Kaffeebohnen einfrieren?
Hier hält sich ebenfalls ein Mythos hartnäckig: Kaffee dürfe grundsätzlich niemals eingefroren werden. So pauschal stimmt das nicht.
Richtig eingefroren kann die Tiefkühllagerung durchaus sinnvoll sein, wenn ihr Kaffee über einen längeren Zeitraum aufbewahren möchtet. Besonders dann, wenn ihr einmal eine größere Menge eines besonderen Kaffees gekauft habt, kann das Portionieren sinnvoll sein. Wichtig ist dabei das Wie. Wenn ihr beispielsweise mehrere Packungen oder eine größere Menge Kaffee gekauft habt, könnt ihr ihn in kleinere Portionen aufteilen und diese jeweils luft- und möglichst feuchtigkeitsdicht einfrieren.
Wichtig ist dabei: Nicht ständig dieselbe Packung aus dem Gefrierschrank nehmen, öffnen und wieder einfrieren. Besser sind einzelne Portionen, die ihr komplett entnehmt und anschließend verbraucht. Für eine normale Packung Kaffee, die ihr innerhalb überschaubarer Zeit trinkt, halte ich das allerdings für unnötig.
Kühlschrank und Gefrierschrank sind also nicht dasselbe
Das ist mir wichtig, denn beides wird häufig miteinander verwechselt. Eine verschlossene Portion Kaffee langfristig einzufrieren ist etwas völlig anderes, als eine bereits geöffnete Packung täglich aus dem Kühlschrank zu holen und anschließend wieder hineinzustellen.
Vom Kühlschrank als täglichem Aufbewahrungsort rate ich ab.
Gezieltes Einfrieren größerer Vorräte kann dagegen unter den richtigen Bedingungen sinnvoll sein.
Wie lange bleiben Kaffeebohnen frisch?
Darauf gibt es keine magische Zahl. Wie schnell sich ein Kaffee verändert, hängt unter anderem von Röstgrad, Verpackung, Sauerstoffkontakt, Lagertemperatur und davon ab, wie häufig die Packung geöffnet wird. Außerdem bedeutet „frisch“ bei Kaffee nicht automatisch „am Tag nach der Röstung am besten“. Frisch geröstete Bohnen geben zunächst viel CO₂ ab. Je nach Kaffee, Röstung und Zubereitungsmethode kann eine gewisse Ruhezeit nach der Röstung sogar erwünscht sein.
Was ich euch deshalb viel eher empfehlen würde: Kauft Kaffee lieber regelmäßig in einer Menge, die zu eurem tatsächlichen Verbrauch passt. Eine frisch geöffnete, vernünftig gelagerte Packung ist mir persönlich lieber als ein riesiger Kaffeevorrat, der über Monate geöffnet in der Küche steht.
Meine Empfehlung als Röster
Wenn ihr guten Kaffee gekauft habt, braucht ihr für die Lagerung keine Wissenschaft daraus zu machen.
Merkt euch einfach diese fünf Punkte:
1. Kaffee nicht im Kühlschrank lagern.
Zumindest nicht die Packung, die ihr täglich verwendet.
2. Kaffee trocken und dunkel aufbewahren.
Ein geschlossener Küchenschrank ist meist völlig ausreichend.
3. Verpackung nach jeder Entnahme gut verschließen.
Je weniger Kontakt mit Umgebungsluft, desto besser.
4. Ganze Bohnen kaufen und frisch mahlen.
Das macht beim Aroma einen deutlich größeren Unterschied, als viele vermuten.
5. Nur größere Vorräte portionsweise einfrieren.
Dann aber luftdicht und ohne ständiges Auftauen und Wiedereinfrieren.
Fazit: Euer Kaffee fühlt sich im Küchenschrank wohler als im Kühlschrank
Guter Kaffee ist ein erstaunlich komplexes Produkt. Wir beschäftigen uns in unserer Rösterei intensiv damit, aus jedem Rohkaffee genau die Aromen herauszuarbeiten, die in ihm stecken. Umso schade wäre es, wenn ein Teil davon anschließend durch eine ungünstige Lagerung verloren geht.
Für euren täglich verwendeten Kaffee gilt deshalb: Raus aus dem Kühlschrank.
Bewahrt ihn stattdessen in seiner gut verschlossenen Verpackung an einem dunklen, trockenen und temperaturstabilen Ort auf. Mahlt die Bohnen möglichst erst unmittelbar vor der Zubereitung und kauft lieber Mengen, die zu eurem tatsächlichen Verbrauch passen.
Wenn ihr einmal schmecken möchtet, wie unterschiedlich Herkunft, Bohne und Röstung das Aroma beeinflussen, schaut euch gerne unsere frisch gerösteten Kaffees an.
So landet am Ende möglichst viel von dem in eurer Tasse, was wir beim Rösten aus der Bohne herausgeholt haben. Und genau darum geht es schließlich: um richtig guten Kaffee.
Häufige Fragen zur richtigen Lagerung von Kaffee
Kann man Kaffee im Kühlschrank lagern?
Grundsätzlich ist eine kühle Lagerung nicht automatisch schlecht für Kaffee. Für eine bereits geöffnete Packung, die täglich benutzt wird, ist der Kühlschrank jedoch nicht empfehlenswert.
Feuchtigkeit, mögliche Kondensation, Fremdgerüche und wiederholte Temperaturwechsel können die Qualität beeinträchtigen.
Ein trockener, dunkler Küchenschrank ist für den täglichen Gebrauch die praktischere Lösung.
Wo bewahrt man Kaffeebohnen am besten auf?
Kaffeebohnen sollten trocken, dunkel, möglichst luftgeschützt und bei konstanter Raumtemperatur aufbewahrt werden.
Ein geschlossener Küchenschrank oder eine Schublade eignet sich gut.
Sollte Kaffee in der Originalverpackung bleiben?
Bei einer hochwertigen, lichtgeschützten und wiederverschließbaren Kaffeeverpackung mit Aromaventil spricht vieles dafür.
Nach jeder Entnahme sollte die Packung wieder sorgfältig verschlossen werden.
Warum haben Kaffeetüten ein Ventil?
Frisch gerösteter Kaffee gibt Kohlendioxid ab.
Ein Einwegventil ermöglicht das Entweichen dieses Gases, ohne dass die Verpackung dafür geöffnet werden muss und unnötig viel Umgebungsluft hineingelangt.
Kann man Kaffeebohnen einfrieren?
Ja.
Besonders bei größeren Vorräten kann das sinnvoll sein. Der Kaffee sollte dafür portionsweise und möglichst luft- und feuchtigkeitsdicht verpackt werden.
Einzelne Portionen werden dann nach Bedarf entnommen. Wiederholtes Auftauen und Einfrieren sollte vermieden werden.
Was ist besser: Kaffeedose oder Originalverpackung?
Beides kann funktionieren.
Entscheidend ist der Schutz vor Sauerstoff, Licht und Feuchtigkeit. Eine hochwertige wiederverschließbare Kaffeeverpackung kann deshalb vollkommen ausreichend sein.
Bleiben ganze Kaffeebohnen länger aromatisch als gemahlener Kaffee?
Ja.
Durch das Mahlen wird die Oberfläche des Kaffees stark vergrößert. Dadurch laufen Aromaverlust und Reaktionen mit Sauerstoff schneller ab.
Für möglichst viel Aroma sollte Kaffee deshalb idealerweise erst kurz vor der Zubereitung gemahlen werden.
Welchen Einfluss hat der Mahlgrad auf den Geschmack?
Einen großen.
Je nach Zubereitungsmethode benötigt Kaffee einen feineren oder gröberen Mahlgrad. Ein unpassender Mahlgrad kann dazu führen, dass der Kaffee unterextrahiert und dünn oder überextrahiert und bitter schmeckt.
Mehr dazu findet ihr in unserem Beitrag über den richtigen Mahlgrad für die jeweilige Kaffeezubereitung.
Spielt die Wasserqualität beim Kaffee wirklich eine Rolle?
Ja.
Da eine Tasse Kaffee zum allergrößten Teil aus Wasser besteht, beeinflussen Mineralisierung und Wasserhärte den Geschmack und die Extraktion erheblich.
In unserem Ratgeber erklären wir genauer, welchen Einfluss Wasser auf den Geschmack von Kaffee hat.
Was sind die größten Feinde des Kaffeearomas?
Vor allem Sauerstoff, Feuchtigkeit, Licht und Wärme beschleunigen Qualitäts- und Aromaveränderungen bei geröstetem Kaffee.
Eine geeignete Verpackung und ein trockener, dunkler Lagerplatz schützen die Bohnen davor.












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